Die Schönheit des Banalen
Grundlage für die Umsetzung meines Konzepts ist die Geschichte eines Mannes, die sich in den 60er Jahren abspielt. Sie zeigt die Existenz eines Menschen, dessen Lebensinhalt aus Einsamkeit und dem täglichen Gang zur Arbeit besteht. Das Essen von Spiegeleiern - einst Höhepunkt des Tages - verliert nach und nach seinen Stellenwert. Angewidert und zugleich hilflos von der schier unaufhaltsamen Routine, die sein Leben prägt, beginnt er zunächst wahllos zu fotografieren. Monate später muss er sich vor Gericht verantworten, da er unbekannten Frauen auf der Straße mit einer umfunktionierten Kamera unter den Rock fotografiert.
In meiner zweiteiligen Videoarbeit Die Schönheit des Banalen setzte ich eine profane, wiederkehrende Tätigkeit - analog zur Erlebniswelt des Mannes - so in Szene, dass sie für den Betrachter als visuelles Erlebnis erfahrbar wird. Ich zeige die Person als Fragment in ihrer Einsamkeit und Stille.
Dem gegenüber inszeniere ich das Zerlaufen von Butter in einer Pfanne; ein banaler Ablauf, deren Schönheit und Anmut uns erst durch das genaue Hinschauen offenbart wird. Die Butter verläuft zu einer allmählich wachsenden, löchrigen Netzstruktur zusammen, ändert ihre Form und füllt nach und nach den begrenzten Raum der Pfanne. Durch das Zusammenspiel von unterlegter Musik und Kameraeinstellung erleben wir einen profanen Vorgang als choreographische Inszenierung.
Beide Videosequenzen sollen frontal gegenüber abgespielt werden. Durch die so gewählte Anordnung stehen sich zwei unvereinbare Gegenwelten gegenüber: Auf der einen Seite der Protagonist in seiner Abgestumpftheit und auf der anderen Seite die für ihn nicht erfahrbare Schönheit des Banalen.
Lena Bayer, 2011




